GBS CIDP PNP Landesvorstand Sachsen

GBS CIDP PNP

Deutsche Polyneuropathie Selbsthilfe e.V.
Landesverband Sachsen

Bericht zum Gruppentreffen in Ingolstadt am 21.09.2020

Dr. Dieter Rösler spricht über kaum bekannte, jedoch sehr effektive Therapiemöglichkeiten

Die Regionalgruppe Ingolstadt trifft sich an jedem 3. Montag im Monat um 18:30 Uhr im Bürgerhaus Neuburger Kasten in Ingolstadt. In dieser besonderen Corona-Zeit sind einige Auflagen zu beachten. Es ist nur eine begrenzte Teilnehmer-Anzahl möglich. Um diese einhalten zu können, ist eine Anmeldung zwingend erforderlich. Die Polyneuropathie-Gruppe kann wegen ihrer Größe den größten Gruppenraum benützen. Dadurch können immerhin 14 Personen an den jeweiligen Treffen teilnehmen. So war es nun auch bei unserem September-Termin. Recht bald nach Ankündigung war die maximale Teilnehmer-Zahl erreicht, sodass einige Anrufer auf einen späteren Termin vertrösten werden mussten.

Nun aber zur Besonderheit dieses Abends am 21. September: Herr Dr. Dieter Rösler aus Lenting hatte angeboten, in einem Vortrag über Polyneuropathie und wenig bekannte Behandlungsmöglichkeiten zu berichten. Dr. Rösler ist niedergelassener Allgemeinarzt und Arzt für Naturheilkunde und Sportmedizin.

Er berichtete, dass gerade in jüngster Zeit immer mehr Menschen mit Polyneuropathie zu ihm kämen. In vielen Fortbildungen hat er sich mit alternativen Methoden auseinandergesetzt, die jenseits der Schulmedizin für viele Betroffene eine sehr hilfreiche Alternative seien. Oral einzunehmende Medikamente wie z.B. das sehr oft verordnete Gabapentin habe sehr viele massive Nebenwirkungen, die von vielen PNP-Betroffenen nicht toleriert würden. Zu Beginn sprach er über die vielen Ursachen der PNP, dass u.a. neben den üblichen Parästhesien wie Kribbeln, Gefühlsstörungen und Schmerzen in den Beinen und Armen auch innere Organe betroffen sein können. So kann es z.B. zu Bluthochdruck, Blasenentleerungsstörungen oder auch Darmproblemen wie Durchfall und Verstopfung kommen.

Dann berichtete Dr. Rösler über:

Akupunktur-Behandlung: Die Akupunktur-Behandlung ist allgemein bekannt. Bei Polyneuropathie kann Dr. Rösler über viele positive Behandlungserfolge berichten. Es sei jedoch wichtig, dass der Behandler Erfahrung in der Anwendung dieser Methode haben. Die Nadeln müssen an den richtigen Punkten gesetzt werden, damit eine Besserung erreicht wird. Ein spürt man bereits nach der dritten bis sechsten Sitzung eine Besserung.

Die Akupunktur hilft gegen Schmerzen, Missempfindungen, regeneriert die Nervenbahnen und fördert die Selbstheilungskräfte des Körpers. Die Hauptziele bei Polyneuropathie-Patienten können sein: Schmerzintensität senken, und auch die anderen Symptome wie Miss-Empfindungen, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, depressive Verstimmung, gestörtes Temperaturempfinden, Blasenentleerungsstörungen können effektiv behandelt werden.

Dr. Rösler sagt: „Akupunktur kann heilen, was gestört ist, sie kann aber nicht ‚reparieren‘ was bereits zerstört ist“.

Hochtontherapie: Die Hochtontherapie ist ein neuartiges Verfahren zur elektronischen Stimulation von Körperzellen und wird der physikalischen Therapie zugeordnet. Sie wird zur Behandlung von Polyneuropathien eingesetzt, wenn Medikamente nicht ausreichend wirksam oder durch unerwünschte Nebenwirkungen belastet sind, nicht vertragen oder patientenseitig abgelehnt werden, häufig aber auch in Ergänzung und zur Wirkverbesserung medikamentöser Therapie. Im August 2008 wurde die Hochtontherapie in die Nationalen Versorgungsleitlinien aufgenommen und ist derzeit in ungefähr 400 Praxen, mehreren Kliniken und Instituten im Einsatz.

Dr. Rösler ist von dieser Therapiemöglichkeit durch die positiven Erfahrungen, die er bei seinen Patienten gemacht habe, überzeugt. Die Therapie erfolgt mit einer Frequenz von 4.000 bis 32.500 Hz. Besonders Patienten mit chronischen Schmerzen würden von dieser Therapie profitieren. Um einen Erfolg verzeichnen zu können ist es wichtig, dass Geräte angewandt werden, die mit hoher Leistungskraft arbeiten, die in Kliniken bzw. Arztpraxen eingesetzt werden.

Ein Teilnehmer berichtete, dass er von der Apotheke ein Gerät für das Training zu Hause ausgeliehen bekam. Die Wirkung sei gleich Null gewesen. Informationen zur Hochtontherapie erhält man unter www.schmerzmed.de

Galileo-Vibrationstherapie: Die Galileo-Vibrationstherapie wurde ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt. Es sollte zur Verbesserung bzw. Erhaltung der Muskelkraft der Raumfahrer beitragen. Wie wir uns erinnern, mussten in den Anfängen der bemannten Raumfahrt die rückkehrenden Astronauten aus den Raumkapseln herausgehoben werden. Da sie lange Zeit ihre Muskeln nicht beansprucht hatten, verkümmerten diese und mussten mit großem Trainingsaufwand wieder gestärkt werden.

Die Galileo-Vibrationstherapie wirkt im Sinne einer propriozeptiven Therapie.

Hauptziele bei Polyneuropathie-Patienten können sein:

  • Muskelverhärtungen und –versteifungen zu lösen
  • Muskelkraft und –leistung wiederaufzubauen
  • Koordination und Gangbild zu verbessern
  • Schmerzen zu lindern
  • Ausdauer und Flexibilität zu trainieren
  • Körperwahrnehmungsgefühl zu steigern
  • Lebensqualität wieder zu erlangen

Auch hier ist es wichtig, dass ein Gerät mit hoher Leistungskraft verwandt wird. Dr. Rösler erklärte, dass Geräte für daheim, die immerhin ein paar hundert Euro kosten, nicht effektiv sind und haben keine wesentliche Wirkung. Er habe sein Gerät gleich nach Erhalt getestet. Zunächst habe er außer einem angenehmen Gefühl sofort keine wesentliche Reaktion gespürt, am nächsten Tag jedoch habe er einen heftigen Muskelkater gehabt. Das zeigte ihm, dass er sein Gerät bei der ersten Anwendung zu intensiv genutzt hatte. Im Übrigen hat sein Gerät mehr als 6.000 € gekostet, was zeigt, dass es erhebliche Unterschiede bei dem Angebot der Vibrationsgeräte gibt.

Infusions- und Spritzentherapie: Bei diesen Therapiemöglichkeiten ging Dr. Rösler auf die Vitamin-BKomplex-Behandlung ein. Er erläuterte, dass nicht alleine Vitamin B12 ausreichend sei, es müsse auch Augenmerk auf die weiteren B-Vitamine sowie Folsäure gelegt werden. Nur im Zusammenspiel dieser Vitamine und anderer Spurenelemente sei eine solche Therapie sinnvoll.

Hier sei eine Spritzentherapie der oralen Einnahme vorzuziehen, da beim Schlucken der Präparate zu viele Wirkstoffe nicht in ausreichender Menge aus dem Darm aufgenommen werden. Sie würden zum Großteil den Darm ungenutzt passieren.

Diese Therapie dient dazu, die Progression (das Fortschreiten) der Polyneuropathie aufzuhalten, Folgekomplikationen zu vermeiden und Symptome zu lindern.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Phosphatidylcholin-Infusion (LipoPower-Kur). Sie kann geschädigte Zellen und die Funktionsfähigkeit der Organe verbessern.

Um herauszufinden, welche der Therapieformen für die jeweiligen Patienten in Frage kommen, wird zunächst eine gründliche Anamnese und Untersuchung vorgenommen. Dann wird gemeinsam besprochen, welche Form der Behandlung von den Patienten bevorzugt wird bzw. welche den größten Erfolg verspricht. Jeder Mensch hat seine individuellen Beschwerden und Wünsche, die verbessert werden sollen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Ursache die Polyneuropathie hat.

Zum guten Schluss erwähnte Dr. Rösler, dass das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen im Körper für einen normalen Ablauf der Stoffwechselvorgänge unabdingbar sei. Die Patienten sollten darauf achten, dass nicht zu viele saure Lebensmittel verzehrt werden. Hier stellte er die Frage, ob man wisse, dass weißer Reis ein äußerst saures Lebensmittel sei. Alternativ sei der Verzehr von Naturreis vorzuziehen.

Nachdem die Fragen der Teilnehmer beantwortet waren, die sich meist um die Frage der Kostenübernahme durch die Krankenkassen für die vorgestellten Therapien drehten (die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten nicht, Privatkassen dagegen übernehmen diese meist voll), bedankte Ute Kühn sich bei Dr. Rösler für sein Kommen und die sehr interessanten Informationen. Auf Nachfrage erklärte er sich gerne bereit, zu einem späteren Zeitpunkt nochmals in die Gruppe zu kommen, damit auch die Interessenten, die diesmal nicht teilnehmen konnten, seinen Vortrag hören können.

Dr. Rösler wurde mit einem kleinen Präsent und herzlichem Dank für sein Kommen und sein Engagement verabschiedet.

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Im Gastbeitrag für selpers erzählt die Betroffene Ute Kühn von ihren Erfahrungen mit der Erkrankung Polyneuropathie und gibt hilfreiche Tipps für andere Betroffene.


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